Wein-sein oder schein-Wein?


Ja, hat mir doch ein lieber Mensch Wein geshenkt, ein Cordier Chateau Gruaud Larose, 1968 – ein guter Jahrgang – meiner-einer nämlich… Obs für den Chateau heschnidgseh ein gutes Jahr war? keine Ahnung – komme ich da gar nicht draus.
Nun, mit den alten Weinen ist es ja immer so eine Sache – die einen meinen sammeln, höchstens handeln, aber sicher nicht trinken. Die anderen denken nö – Plörre – nid mau in die Sauce, hat der sein Rubicon längst überschritten, um so zu schnurren wie die ennert em Teich.
Für mich ists klar: Trinken. Hat da so ein Winzer mit mehr oder minder Hingabe seine Reben gehegt und gepflegt, die Chose geerntet, dann gepresst, gekeltert und ab ins Fass. Dann noch abfüllen und ne Edikette dran und dann mal Geduld… Handeln tue ich unter Tags eigentlich fei, und mit dem Sammeln ists dann so – es wird immer mehr, (und Durscht het me gliich) und wenn man dann eines Tages zügeln muss – ohjemine, wohindamit? Und die Kumpels, die einem helfen kommen machen dann Runzeli auf der Stirnen, das man den Gedanken fast lesen kann: Auso, wenn dä Träu wider fragt hani de khe Zyt…
Item. Haben wir schon einige instruktive und genussreiche Weinproben unter herzlicher und fachkundiger Gastgeberschft vom Freund Dirk in Esslingen anlässlich unserer Altherren Exkursiönli erleben dürfen. Mitunter eben auch sehr alte Tropfen. Immer halt unter der Prämisse von der Offenbarung bis „hmmm naja“ und weiter runter zu irgend was richtung Katzenpisse zu vertwütschen.
Auso, an diesem kalt-klebrig-nebligen Abend im Emmental habe ich spontan beschlossen die Pulle zu köpfen. Der nette Spender hat dann doch fei Instruktionen mitgegeben: Den Zapfen vorschtig und möglichst ganz raus, ja nicht dekantieren, sondern in der Flasche lassen. Wenns viel Gugus drin hat, halt sieben. Wenns hässlich ist, nicht wegschütten, sondern Zapfen wieder drauf, eine nacht an die Kühle und nochmals probieren – kann gut werden oder auch nicht…
Gesagt – getan. Nach dem Entfernen der Folie, sprich ehnder renitentes Dünnblech gesplittere, das Tirebouchöndli mal vorsichtig innengedrüllt – üüüh dir, das fühlt sich ehnder wie ein gut vorbereiteter Pflanzblätz als wie ein Zapfen an, aber henusode, vorsichtig mal hebeln: knorzi knorzi rutschi… üh… brösel brösel knirk – blöd, hat sich der untere Drittel des Zapfens wohl wirklich entschieden über die Kompostierung in Richtung Humus sich neu zu definieren.
Ausohaut, wenn du nicht raus willst, gehste halt rein – fft-plöpp hats gemacht. Gut, mit frischem Mut eingeschenkt – also Roten ist das emel von der Farbe her sicher nicht mehr – ender Rostigen. Aber mal ein Näsli voll nehmem, oooh, das riecht ja gut – probieren also.
Nun denn – zerschten dann ganz nett, aber der Abgang – Pfuuuäääcchh, die erste Reaktion, wie der vom unsterblichen Hergé so trefflich dargestellten Kapitän Haddock beim unvermuteten genuss von Wasser anstelle seines geliebten Whiskeys.
Je nu – isch äuä nüt gsi denke ich. Aber haltla, nid dri schiässä, eifach chli Zyt gä… und es Hüngerli hei mir ja ou… Also denn: Spaghetti an secklen. Beim köcherlen dann halt immer wieder ein Schlückli probiert – und nein, die Offenbarung ist leider ausgeblieben – die Katzenpisse aber glücklicherweise auch.
Mittlerweile sind die Spaghettis vertromet, und zweidrittel der Pulle – der Verdunstung kann man dies unmöglich anlasten – muss also die Luft dem Tropfen gut getan haben oder ich hab mich dran gewöhnt? Der weiter oben monierte Abgang hat sich vom arg verseuchten Lederstrumpf Moccasin in Richtung fast symphatisches Müffeln verbessert, aber richtig sauber wird der nimmer…
Also, Zapfen drauf und Morgen nochmals drahi… und sind wir nun im neuen Tag angekommen. Nun, ich darf berichten – die Nacht und die Kühle haben dem Wein die Kannten genommen, er ist lieblicher – und langweiliger.
Lieber Urs – Merci viu mau für den Wein – Merci aber noch viel mehr für das Erlebnis – spannend und fägig wars, emel so das man zeilenweise drüber parlieren mag… und das beste dabei – ich hab noch ne Flasche.
FE Januar 22

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