Vorwort
Das Histörchen ist bekannt – gar fast ein Allgemeinplätz, wie der Berner so schön sagt. Also nix neues erfunden. Wurde schon mal vor Jahren von mir in ähnlicher Form aus der Tastatur gedengelt, damals für einen Kunden. Dieser hatte seinen scheinbar sehr lukrativen aber gar stressigen Job an den Nagel gehängt, sich allem Überflüssigen entledigt, sprich Immobilien, Autos und die Briefmarkensammlung, und lebte nun seinen Traum vom Sein und aufschreiben was grad stimmt… Dies in einem wilden, aber vergessenen Tal im Graubünden.
Haaaltla, denkt sich jetzt der intelligente Leser – u de tFrou??? Richtig, sage ich – hat selbige mittels eines scharfen Anwaltes sich Seiner entledigt… war ihr Troum nicht ein vergessenes und wildes Tal im Graubünden, sondern ehner Bling-Bling-Monaco u so – tja – musste der Typ grad scho chli luegä …Die Vitae hat mich noch so beeindruckt, und ich meinte so halber im Gspass … falls etwas gestimmt, und ers aufgeschrieben hätte, würde ichs dann schon lesen, wenn er wolle. Naja, es gäbe da schon etwas meinte er.
Voufäu ist der Handel zustande gekommen – wunderbar, merci viu mau, uf widerluegä und viel Vergnügen… Ich hab gar nicht mehr dran gedacht, als da tatsächlich doch ein Kouvertli mit zwei schmalen Bändchen daher kam mit auch: Wunderbar, merci viu mau und viel Vergnügen. Natürli habe ich das sehr gerne gelesen – die Versli? So mmmh – naja, aber das liegt an mir – und die Geschichten – die waren fei gut. Also, war ich schon so ein wenig berührt, dass er tatsächlich dran gedacht hat, und habe ich halt was aufgeschreiben, beschäftigt hats mich einewäg, so chli als merci. Nun, letzthin bin ich gezügelt, und wie das eben beim Zügeln so ist, kommt doch so einiges wieder füren, oder in diesem Falle eben dann nicht. Wollte ich mir das Histörchen wieder mal zu Gemüte führen, aber ojemine, keine Festplatte, nicht mal die Externe gab was her… Blöd halt, säuber tschuld u dumm wi Brot – muesch äbe sichere… würde das Ei-Ti- Schutzengeli sagen, der über meine Bits und Bytes wacht – also sagen tut er das selbstvernatürli nicht – ist er ein Engel und diese reden nicht so – aber wenn er das Müli zum Strichli macht, und die Eugli hurti uf minusgrad abefahrt muss er das gar nicht sagen, ich weiss dann schon… Janusodenn, schreiben wir sie halt nochmals und denen, wo das noch nicht vertleidet ist können sie nun lesen…
Vor langer langer Zeit, also so langer Zeit, wo es noch keine Rolle gespielt hat, ob die Welt nun Rund ist, oder eben nicht – da gabs ein Mann und eine Frau. Und die hatten einen Garten, oder der Garten hatte sie, es geit beid wäg ume. Und in diesem Garten gabs eigentli alles, so das die beiden nicht luegen mussten das gluegt ischt, sie konnten einfach, aber mussten nicht. Und dort lebten sie, mit den Pflanzen und Tieren und es war hiub. Und der Mann, wenn er am Fluss hockte, und in die Ferne guggte und friedlich auf einem Grashalm kaute dachte manchmal an den Gedanken eine Dampflokomotive zu erfinden – aber nein, sicher nicht jetzt, warum auch. Was die Frau dachte – nun da wage ich schon gar nicht drüber zu spekulieren, was die wohl gedacht hat, ist es öppen sowieso das falsche was ich sage und ich war ja auch nicht dabei. Vermuetli, so hoffe ich emel fand sie es schon schampar schön, wie der Tau vom neuen Gras kühl zwischen den Zecheli kitzelte – jawoll.
Also so einen Garten hat es vermuetli seit dem nie mehr gegeben, und wenn , de wüsti emu nid wo, wo man nie ein Gjufel hat – wie denn auch, wenn es die Zeit schon gab hat sie ganz sicher nicht tick-tack gemacht und war noch gar nicht wichtig und da man ja war, mit allem drum und dran musste man nüte zämenramüsieren, und sparen scho gar nicht und so.
Nun, der nervt langsam mit seinem Garten delinoumau, könnte der einte oder andere sinieren – das ischt mir aber gad hurti gliich – denn ich muss ja nun verzellen, gab es da noch den grossen Chef. Ja also, den ganz grossen, den im oberschten Stock. Und dieser Chef, der war dann so ziemlich flott, ja, wieso denn auch nicht, denn bevor er dann fang mau mit dem Wort anfing und dann mit doch ungemein wundersamen Schwung und fast gar göttlichem Verve das ganze dann hurti gad hingestellt hat, aus dem Nichts, auso aus dem gar nichts, das öd und leer war, den Garten, den Mann, den er aus Lätt, und die Frau, eben dann so hurti geknetet bezättweh dann aus dem Rippli vom eben diesem gschnitzleret hat. Ja und da hatte er dann halt nicht viel Konkurrenz, und so grad eis zu eis hats ihm vermuetli niemand gad so nachegaggeret.
Und wo er dann fertig war, hat er leicht mit dem Köpfli genickt und gemeint: Mou – no schön cho…
Auso, dir Zwöi, hei mir hiä ä Garte – mit Pflanze u Tier, machet mau – ussert am Füfi Apero hei mir hie nid gross Reglä – du het im dr Micheli hurti mit em Eubögli itd Rippi gschtüpft – Üüüh-dir! …Nid das igs öppä vergiss – da die Früchtli vo däm Boimli dörten – einfacht la si, nüt isch – nid mau vilich – interdit, nei – nei, pfui, ää ääh … Und in diesem Sinn noch so weiter, ein bitzeli. Die zwei haben vermuetli schon haubers nicht mehr guet zueglost, waren sie doch bas erstaunt und sehr erfreut über ihr Diheim. Ja und so ist die Zeit vergangen, würde man heute sagen, aber damals hätte es ewig sein können, oder aber auch nicht. Auf alle Fälle, hat die Frau eben manchmal das verbotene Boimli angekukkt und sinniert – ja, was echt dann so speziell an dem sein sollte, das der Verboten gehört, also grad appart hats dann gar nicht ausgesehen, und ein Züünli hatte es auch nicht drum umen – da war also die Berner Rose schon ganz was anders, zwar chli verzworgleti Eschtli, aber üüüh, was für feini Öpfeli die macht…und eben genau so ist es haut gegangen, war halt alles gad so neu und frisch erfunden, hatte es gnueg zum probieren, dass man da nicht lange über besagtes Boimli studieren musste.
Ja und wenn man den wenigen, aber sich erstaunlich einig-gehenden Quellen glauben schenken wollte, würde jetzt so ein Schlangenviech ins Spiel kommen. Nun ja… da muss ich leider sagen – nein, eher weniger. Denke ich, dass die Schlange, die vermutlich Hermann hiess, einfach in der Astgabel vom besagten Boimli lag, und gemütlich eine runde Chrösen wollte… Die Menschen, ihrer menschlichen Natur folgend dachten sich wohl die ganze Katastrophe ein wenig zu verblüemelen und vermäntelen, wollten sicher nid alleine tschuld sein…und da haben Sie die Schlange wohl so ein bitzeli vorgeschoben, denke ich.
Jetzt nützt kein usästüdelen mehr – es ist halt geschehen, und darum muss ich es berichten. Einischt wars halt dann so weit – hat die Frau gemeint:
Chum itz Ätti, bise mir doch da mau dri…Jjääääh meinsch de? Meint der Mann, dr Chef het doch gmeint… Aba, bis khei Höseler… dä merkt doch öppä nüte…
Ja so dann halt, nicht bös, äuä eifach us luter Dümmi hei si haut i di Frucht inä bissä – du hets a Chlapf gä wi am letschte Tag, u fieschter ischs worde. U wos du wider Liecht het gä ischs nüm so gsi wi aube. Hei sich di Zwoi aagluegt u dänkt:
Hobla, hei mirs itz äch verheit?
Haben Sie gehofft, es merke niemer nüt und mal so weiter gemacht. Der Garten war immer noch wunderschön, aber weder der Mann noch die Frau fühlten sich wohl, ihre Herzen waren schwer. Und so fanden sie sich einmal zusammen, hielten einander an der Hand und machten sich auf den Weg zum grossen Chef. Dieser war eigentli immer so ummen gsi, hat alben ein bitzeli gärtneret, oder an der Göttlichen Eingebung gewerkelt, aber nun mussten sie doch fei laufen bis sie ihn fanden. Und so standen sie vor dem grossen Chef, aber konnten ihm nicht ins Gesicht schauen, denn es war ihnen gar nienen recht. Der Grosse Chef schaute sie lange an und sagte dann:
Ahh.
Dann war es lange, sehr lange still. Dann meinte der Mann: Ja auso, da da haben wir wohl richtig einen Seich gemacht das tut uns sehr leid und ist uns nienen recht – aber öbs nicht irgendwie geit dass es wieder so sei wie alben? Die Frau hat gar hoffnungsvoll und hübsch drein gesehen, aber der grosse Chef meinte nur:
Janein. Es sei ja ihre Entscheidung gewesen, man könne halt nur erkennen und nicht entkennen, wenn Sie wüssten was er meine?
Das taten Sie nicht…. Klar, brümelete der Chef, Dir heit ja khe ahnig – wie de ou…Dann war es wieder still, lange still, bis die Frau mit einer sehr kleinen Stimme fragte:
Ja, und itze?
Nein-ja – so der Chef, das sei das Ende und der Anfang… ab jetzt müesst dir haut luegä… der Micheli begleitet nech zum Usgang…Da hat der Mann wüst geflucht , und war darob erschrocken – hat er gar nicht gewusst, dass er so grob schnurren kann, das er grad schwieg und dachte:
Üüüh, itz bini gschider stiu – süscht gits Lämpe… und die Frau lugte ihn vo unger ufen an, und dachte:
Itz bisch gschider stiu – süscht gits Lämpe.
Die Frau sagte zum grossen Chef: Öbs de nid grad chli hert sei, grad usgschaffe zwärde , numä so wägemne läpische Biisli – i meine sisch ja nid mau es Amuse Bouche gsi?
Und derwile hat Sie aues mögliche zämen ramüsiert und in Ihre Tasche gestopft was sie nur fand – denn ihr müsst wissen, die Frau hatte eben immer eine Tasche dabei, meist mit Blumen und schönen Kieseln, Muscheln und so Auergattigs drinnen. Diese sah dann auch fei schnadig aus, die Tasche so halt „au natürell“ . Hatte sie die selber gemacht, aus Sachen aus dem Garten und vom Strand.
Hmmm. Dachte sich der Grosse Chef, und luegte grad so drein, wie Eltern tun, wenn Ihre Kinder so das erste mal richtig umen geben – und dann noch mit den eigenen Worten retour, und passend , wi di pfuscht ufz Oug… und wie besagte Eltern war er halb stolz, halb betupft, und halb belustigt … (ich weiss, das Mengengerüst geht gar nicht auf, aber es waren besondere Momente, und da war alles möglich…)
Potz – dachte er, tMueter cha beides ufz mau: Schnürrä u Tue … und üüüh dir, han i gseit luege müesse si – i weiss de nid öb si de weiss dass sies weiss das sies scho tuet… Respäkt… aber hie bin i Chef, die wärde no a mi dänke…Und weil er der grosse, also der ganz grosse Chef war, und alles gemacht hat konnte er das natürli, und weil er gad vom ganzen Machen und tun noch ein klitzekleines Räschteli vom Nichts hatte, auso ja scho vo dämm, das öd und leer war, im Hosesack innen, hat er dieses so mirnixdirnix in das Täschli der Frau innen geschmuggelt. Da musste er schmunzeln, und hat dem ganzen Treiben noch ein wenig zu gekukkt, bis er dann dachte, so, itz isch öppä guet.
Hrrrrm!
Het er du gemacht – und weil es halt ein göttliches Hrrrm war, hat es halt gescheppert, gepolderet und getan, das grad alles still gestanden ist, und der Mann vor luter Chlupf:
Jawoll, hie, awesend gesagt hat und die Frau gredi hingestanden und sich die Haare gerichetet hat.
Auso, meinte der Chef: Uf widerluege, ade, läbit wohl u machets guet – Fürabe – mir mache zue… eifach de Tier nache, Micheli wiest nech der wäg und tatsächlich – so wars. Michel stand im Blechtenüe, und hat den Weg gezeigt, mit dem Schwert, so ein wenig wie ein gwackliger Verkehrspolizist.
Die Sonne ging langsam unter, es nachtete ein, da war plötzlich ein Schild „Ausgang“ hatten Sie dies noch nie gesehen. Micheli hatte du plötzli ein Gjuffel mit seinem Schwert, hat gedrückt geschüttelt und gemacht. Der Mann, der im Grunde seines Herzens ein guter Siech war, ist hin und hat gemeint:
Chani häufe, Michu?
Aber da hat mit einem grossartigen „Fluummmp“ das es dem Mann grad die Augsbrauen gekrüselet hat, das Schwert nun endli gebrunnen, und sie konnten sehen, wos düren geht. Erst da sahen der Mann und die Frau, das alle Tiere auch den Garten verliessen. Und einerseits waren sie grad froh, nicht ganz alleine weg zu müssen, aber andersch ummen hat es ihnen die Härzli zämen drückt, dass die Tiere nun auch den Garten verlassen mussten, wo sie doch nüt, aber auch gar nüten derfür konnten.
Und So sind sie gegangen, und wo sie gschnau retour gluegt hei, haben sie den Michel gesehen, der das Tor zu tun wollte, nur das Büsi war noch dörten und isch inä u usä u inä…
So entscheid di itzä, sagte du Michel und du schlüpfte das Büsi usen, und mir einem Klong ist das Tor zu gefallen. Der Mann und die Frau sind gelaufen und gelaufen, bis Sie nicht mehr konnten. Die Frau meinte: Ja, zum glück hani mis Täschli, wei mir mau luege – und sie tat es auf und – Nichts! Die Tasche war leer – und wir, ja wir wissen warum – wegem Nichts vom grossen Chef dänk, aber Sie – die hatte keinen Plan und konnte es nicht glauben…
Jä – nei himuhämulütisämu meinte die Frau – …cha ja nid sy, ha ja packt u inä piget u itz nüt? Und sie nuschte und nuschte… bis es dem Mann einwenig gnüegelete und er meinte:
Jä heschs öpä verjufflet?
Was de, schliefst im Gring, die Frau – u du, gar nüt hesch mitbracht, Löu…
Ja vo nüt chunt nüt, meinte der Mann, was in diesem Moment zwar treffend, aber weder speziell diplomatisch, noch sehr konstruktiv war. Wie ihr sehen könnt, hatten die zwei Lämpen – und das grad richtig, haben sie einander gäbig Haber gegeben, und wenn ich alles aufschreiben müsste, was die aneinander Schlämperlig angehängt haben, dann sind wir noch in zwei Wochen dran, darum hier nur noch der letzte Bitz: Waren die mittlerweile beim Nichts angekommen, und der Mann sagte:
Ja-eben Nichts sei ja nichts, gar nichts das Gegenteil von etwas – und die Frau entgegnete:
Ja, aber wenn wir über nichts, bzw. das Nichts diskutieren, dann müsse es ja etwas sein, sonst könne man ja nicht drüber parlieren, checksch-es? Und der Mann meinte:
Itz wirsch mir aber grad chli exischtenziell… und ward darob grad einwenig rot, denn er wusste eigentlich gar nicht, was das ist – existentiell…
Schiess dr Hung druf, so die Frau i ma nüm lirä – mir frage doch dr gross Chef…
… Und sie luegten sich grad betreten an – denn dieser war nicht mehr ummen. Darauf waren beide tuche und still, legten sich nieder, umarmten sich und versuchten einander einwenig warm zu geben. Und da nun Ruhe war, kam das Büsi zu ihnen, schnürelete ein bitzeli, was doch alles ein wenig besser für sie machte.
Der Grosse Chef, derweilen? Nun, ob von oben oder überau her – darüber ist man sich bis heute nicht einig – hat das alles mitbekommen. Ja, hei si a mi tänkt, hat er gemeint, und musste ein Tränli verdrücken, hani si ja wi ig bi gmacht, hat er sich erinnert – Micheli? rief er. Dieser hatte grad wieder Comedy mit seinem Schwert, hatte er es in den Schirmständer gesteckt, um die Rüstung, auso um wieder Tenue normau an zu legen, aber vergessen, es ab zu löschen – Tja hat die ganze himmlische Garderobe grad chli gläuet… hat der grosse Chef gsüfzget und es wider idt ornig gschnippt.
Micheli, luegsch mir chli denä Zwoi, gäu, nid imische, aber luege. Gabriel u die angere Buebe söuä ou häufä.
Epilog
…Und die Moral von der Geschicht? nun, ich mag Gesichten, und gegen die Moral ist dann gar nichts einzuwenden, aber zämmen? Geschichten mit Moral und dem Zeigefinger, dem gwackligen, sind nicht so meins – darum berichte ich was mi düecht:
Haben auso der Mann und die Frau gluegt, sonst wären wir ja ehnder nicht. Und haben die Frauen bis heute fascht immer ein Täschli derbi – war ich auch schon froh, ein Nastuch zu bekommen. Tun Sie bis heute drin innen nuschen, als obs kein Morgen gäb – ja, vilich suächä sie haut so chli ihrere Ururur-heschnidgseh-ahnin nah, es biräbitzli vom Garte – wär weiss?
Und – handelt es sich hier um ein auch vom grossen Chef nicht vorhergesehener, oder dann eben doch, reziprok verdrehten Umkehreffekt – also ich behaupte nicht – ich beobachte, dass die Frauen bis heute Zügs und Sachen und noch mehr in ihre Tasche pigelen können, das wirs nicht glauben und es hat geng noch Platz.
Und haben wir bis heute immer wider Lämpen – geben einander Haber… im nachhinein meist wegen nichts. Und wenn es grad so richtig gut läuft, und alles passt und ischt top, ja ob der Michel oder einer seiner Kumpels grad vorbi pfilet ischt? Man weiss es nicht.
Was ich weiss, wenn eine Katze zu mir kommt und chli schnürelet, ist alles grad ein wenig besser – bis heute – und morgen hoffetli auch. Füfi isch lang düre, Apero vorbi, gschribä isch für hüt gnue.
Öbs öpe zyt für es chlises Gin Tönicli isch?
FE Januar 22